Es lebe die deutsch-französische Freundschaft

Was wäre besser geeignet als das Alte Rathaus in Bonn, um im Erinnerungsjahr des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer an den Besuch des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im September 1962 zu erinnern? Dieser Besuch steht für den Beginn der deutsch-französischen Freundschaft. Aus diesem Anlass hatten die Stadt Bonn, die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und das Institut Français in Bonn am 16. September eingeladen und die französische Professorin Dr. Hélène Miard-Delacroix, Mitglied unseres Kuratoriums, gebeten, einen Blick auf diese Freundschaft zu werfen, auf ihren Beginn und auf ihre Zukunft. Der Gobelin-Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

De Gaulle und Adenauer, so die Professorin der Sorbonne-Universität in Paris, hätten gemeinsam das „Momentum“ erkannt, mit dem sie etwas „in Bewegung setzen“ wollten und konnten, nämlich die Grundlagen für eine dauerhafte Bindung zwischen beiden Ländern schaffen, die auch das zivilgesellschaftliche Engagement der Menschen umfasst. Daraus sei der Éysee-Vertrag entstanden, der am 22. Januar 1963 unterzeichnet wurde und unter anderem das Deutsch-Französische Jugendwerk schuf, das seitdem so viele Begegnungen ermöglichen konnte.

Im Elysee-Vertrag hätten beide Regierungen auch eine enge Abstimmung vor jeder wichtigen politischen Entscheidung vereinbart, die für beide von Bedeutung sei, sagte die Expertin. Dies sollte zu einer gemeinsamen Politik führen. Aber die vom Bundestag dem Ratifizierungsgesetz beigefügte Präambel habe bereits dem Geist dieses Vertrags widersprochen. Dennoch sei der dort vereinbarte Konsultationsprozess zwischen Paris und Bonn/Berlin nie abgebrochen. Dies mache die „Freundschaft“ aus, das kontinuierliche Engagement beider Seiten, das nur wirksam sein könne, wenn sich starke und mutige Führungspersönlichkeiten dafür einsetzten.

Bei ihrem Blick in die Zukunft sah Frau Miard-Delacroix den „Referenzrahmen“ der Politik, den „Westen“, durch die erratische Politik des derzeitigen US-Präsidenten als nicht mehr gegeben an. In den Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs wachse die Angst davor, dass die gewohnten Erklärungen für die Entwicklungen der Welt nicht mehr helfen. Beide Länder hätten zwar ähnliche Probleme zu bewältigen, aber das Vertrauen zueinander werde durch Unsicherheiten beeinträchtigt, die oft durch innenpolitisch motivierte Formulierungen ausgelöst würden, die im anderen Land nicht recht verstanden würden und Zweifel auslösten. Die deutsch-französische „Freundschaft“ dürfe nicht nur als etwas Schönes gesehen werden, sondern als Grundlage für eine dauerhafte Beziehung zwischen ehemaligen Feinden. Diese Freundschaft erfordere auch in Zukunft Haltung, Mut und Zusammenhalt. DP