Prix Rovan 2026 verliehen

Zum 20. Mal haben die Botschaft Frankreichs und die VDFG in Berlin am Samstag, 13. Juni 2026, den „Prix Joseph Rovan“ verliehen, mit dem DFGen für ein besonderes Engagement ausgezeichnet werden. Auch der Deutsch-Französische Bürgerfonds war daran beteiligt. In diesem Jahr konnten Projekte eingereicht werden, die sich mit dem Thema „Städtepartnerschaften – aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven“ beschäftigten. Die drei Preisträger sind: Der „Deutsch-Französische Club Freudenberg e.V.“, der eine Partnerschaft mit Saint-Arnoult-en-Yvelines pflegt; der „Partnerschaftsverein Alfhausen – Longuenée-en-Anjou“; und der „Partnerschaftsverein Edingen-Neckarhausen“, der mit der bretonischen Stadt Plougerneau verbunden ist.

Der Verein aus Freudenberg am Main hat unter dem Motto „Bunte Freundschaft für eine gemeinsame Zukunft“ ein hybrides Programm über eine Woche in beiden Städten organisiert, an dem viele Menschen teilnehmen, auch wenn sie nicht die Reise in die Partnerstadt antreten konnten. Der Verein im niedersächsischen Alfhausen hat sich auf Austausche für Praktikanten aus der Landwirtschaft und in sozialen Einrichtungen konzentriert., sowie ein Jugend-Europafest veranstaltet. Und der Verein aus Edingen-Neckarhausen in der Nähhe von Heidelberg, in dem der verstorbene Professor Alfred Grosser Ehrenmitglied war, hat Jugendbegegnungen über Sportvereine und die Vermittlung von Praktika ermöglicht, sowie Kinder-Sprachkurse und sog. „Tandemsprachbegegnungen“ organisiert, bei denen kein Kursprogramm befolgt, sondern Lust und Gelegenheit geboten wird, miteinander ins Gespräch zu kommen, auch wenn es sprachlich vielleicht erst einmal hapert. Ausserdem unterstützt der Verein bei der Vermittlung zum Deutsch-Französischen Freiwilligendienst. Mit ihren Initiativen zeigten die ausgezeichneten Vereine auf, wie sie, mit jeweils unterschiedlichen Mitteln, die Attraktivität des Deutsch-Französischen für Jugendliche zu steigern vermochten.

Die Zukunft von Städtepartnerschaften und deren Attraktivität für Jugendliche war auch Thema einer Podiumsdiskussion, die vor der Preisverleihung stattfand. Dabei gab der Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Marchetti aus Paderborn zu bedenken, dass mit ca. 2.200 Städtepartnerschaften zwar eine große Dichte an Verbindungen zwischen deutschen und französischen Kommunen erreicht sei. Dies entspreche ca. 20% aller deutschen Kommunen, heiße aber auch, dass 80% keine solche Verbindung hätten. In Frankreich sei das Verhältnis angesichts einer viel größeren Anzahl von kleinen Kommunen noch ungünstiger. Es sei also noch Luft nach oben. Die junge Vorsitzende des „Gemeindepartnerschaftsvereins Wald e.V.“ im Landkreis Sigmaringen, Katharina Hettich, berichtete von ihren Schwierigkeiten, Interesse unter jungen Leuten auf dem Land zu wecken. Dort werde das „Deutsch-Französische“ meist als zu politisch oder „hochtrabend“ wahrgenommen. Ihr Verein unterhalte zwar einige Kontakte zu einer Gemeinde im Großraum Reims, aber zu einer formalen Partnerschaft. zu einer langfristig angelegten Verbindung habe es noch nicht gereicht. Und die Präsidentin des Deutsch-Französischen Jugendausschusses (DFJA), Louisa Schmeiduch, bekäftigte durchaus großes Interesse Jugendlicher am Engagement für deutsch-französische Projekte. Aber sie gab auch zu, dass es einen gewissen Widerspruch gebe zwischen dieser Bereitschaft zum Engagment für bestimmte Projekte und dem Mangel an der Bereitschaft zur Unterstützung einer langfristig funktionierenden Struktur von Kooperation, so wie Katharina Hettich sie sich wünscht. Diese von der Journalistin Hélène Kohl moderierte Gesprächsrunde gab viele Anreize zum Nachdenken.

Eröffnet hatte diese Preisverleihung Botschafter Francois Delattre mit einem Dank an die DFGen und ihre Mitglieder, die die zentralen Akteure der deutsch-französischen Beziehungen seien. Der Aachener Vertrag von 2019 habe der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften neue Möglichkeiten eröffnet, nicht zuletzt mit der Schaffung des Deutsch-Franzöischen Bürgerfonds, und deutlich gemacht, dass die Einigung Europas mehr sei als ein politisches Projekt. Angesichts der existenziellen Herausforderungen, denen sich Europa gegenübersieht, dem Krieg, dem globalen Wettbewerb, dem Klimawandel und auch den Angriffen auf die Demokratie in unseren Ländern, sei die deutsch-französische Kooperation trotz mancher Rückschläge unersetzlich; sie sei eine Herzensangelegenheit. Das ehrenamtliche Engagement so vieler dafür sei aber keine Selbstverständlichkeit.

VDFG-Präsident Jochen Hake dankte dem Botschafter für die starke Unterstützung unserer Arbeit. Er erinnerte daran, dass Joseph Rovan immer daran gelegen war, eine Plattform, einen Raum für Dialog zwischen Deutschen und Franzosen zu schaffen. Und so wurde dieser „Prix Joseph Rovan“ vor 20 Jahren dazu geschaffen, das Engagement der Zivilgesellschaft für diesen Dialog zu fördern und ihm Anerkennung zu zollen. Jochen Hake mahnte auch, angesichts der überaus engen Verzahnung zwischen unseren Ländern, weniger die Probleme in den Vordergrund zu stellen, als die Gelegenheiten zur Kooperation wahrzunehmen und zu fördern. „Ohne zivilgesellschaftliches Engagement wird es nicht gehen,“ sagte unser Präsident und bekräftigte damit den Wert des Engagements der VDFG und all ihre Mitglieder. DP

Foto oben (C): Französische Botschaft – Gruppenfoto der Teilnehmenden am Prix Rovan 2026 u.a. mit S.E. Botschafter François Delattre (1. Reihe, Mitte), Preisträger:innen und Gästen