Startklar für neue Etappen?

Zum zweiten Mal hat die VDFG zu einer bundesweiten Präsenzveranstaltung nach Berlin eingeladen. Am 2. Dezember konnten sich Vertreterinnen und Vertreter von DFGen und Freunde des „Deutsch-Französischen“ in der Landesvertretung von NRW darüber austauschen, wie wir unsere Arbeit im kommenden Jahr fortsetzen wollen. „Deutschland und Frankreich – Startklar für neue Etappen?“ lautete das Motto dieses Abends, den die VDFG jetzt immer in dem Jahr auszurichten beabsichtigt, in dem unser Jahreskongress von den französischen Freunden der FAFA organisert wird, wie dieses Jahr im Oktober in Nantes (siehe Berichte). So erhalten die DFGen Gelegenheit, sich auch in Deutschland unmittelbar zu einem Thema auszutauschen und dazu auch politisch Verantwortliche zu Gesprächen einzuladen. Mehr als 170 Teilnehmende kamen diesmal zusammen. Und wie schon bei unserer ersten Konferenz vor zwei Jahren in der Landesvertretung des Saarlandes blieb Frankreichs Botschafter Francois Delattre nahezu bis zum Schluss. Mehr Aufmerksamkeit für unsere Anliegen geht nicht.

In seiner Berüßung setzte unser Präsident Jochen Hake den Ton. Nach seinem Dank an den Ministerpräsidenten von NRW, Hendrik Wüst, für die Gastfreundschaft der Landesvertretung, und Botschafter François Delattre, sowie die eingeladenen Gäste fürs Kommen, erklärte er: „Eigentlich könnten wir zufrieden sein.“ Erst am 1. Dezember hatte wieder die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung (DFPV) in Berlin getagt – diese weltweit einzigartige parlamentarische Vertretung zur Umsetzung der vielen Maßahmen im Rahmen der Kooperation zwischen den beiden Ländern; die im Vertrag von Aachen ebenfalls 2019 geschaffene Arbeitsgemeinschaft zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit funktioniert und der dort auch auf Vorschlag der VDFG verankerte Deutsch-Französische Bürgerfonds erfreut sich großer Nachfrage. „Aber was kommt jetzt; welche neuen Ziele können wir definieren?“ fragte er und wies damit auf das Motto der Konferenz: Startklar für neue Etappen?

Nachdem Ministerpräsident Hendrik Wüst in einem Videogruß auf die besondere Bedeutung des Deutsch-Frnzösischen für NRW hingewiesen und Präsident Emmanuel Macron mit den Worten zitiert hatte: „Europa ist nicht das Ziel, sondern der Kompass“ (Rede bei seinem Staatsbesuch in Dresden), gab Botschafter Francois Delattre wichtige Impulse. Er begann mit der Mahnung, dass der Krieg nach Europa zurückgekehrt sei und die Demokratie nicht nur von außen, sondern auch von innen in Gefahr stehe. Diese Herausforderung könnten Frankreich und Deutschland nur gemeinsam bewältigen. Und dann wies er auf zwei „Meilensteine“ hin, die den Weg in die Zukunft wiesen: Das von Macron und dem gerade gewählten neuen Kanzler Friedrich Merz am 7.Mai vorgestellte gemeinsame Arbeitsprogramm, mit dem es wieder zu einem „deutsch-französischen Reflex“ in der Politik kommen solle. Delattre nannte dies die „Resynchronisierung unserer Politik.“ Und die umfangreichen Beschlüsse des Deutsch-Französischen Ministerrats in Toulon am 29. August, die zu einem neuen strategischen Dialog führen sollen, sowohl in Fragen der Verteidigung, wie jenen der Innovationen und der Stärkung der Demokratie in der Welt der Medien. Hier könnten neue Dynamiken entstehen, die es freilich umzuetzen gelte. Hinzu komme eine zunehmende Konzertierung der Sozialpartnerschaften in beiden Ländern und die Tausende von Verbindungen in der Zivilgesellschaft, die den „wahren Schatz unserer Beziehungen“ ausmachten. 75 Jahre nach der Erklärung von Robert Schuman zur Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sei es nun an der Zeit für eine neue „Europäische Digitale Gemeinschaft“, die für die digitale Souveränität Europas sorgen solle.

In zwei anschließenden Podiumsdiskussionen, moderiert von arte-Journalistin Annette Gerlach, wurden dann Wünsche für die Zukunft ausgetauscht. Auf dem ersten Podium mahnte der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gunther Krichbaum: „Die Zeit drängt.“ Schon gehe das Rassemblement National in Frankreich auf die Wirtschaft zu und so stelle sich die Frage, wie sich Frankreich und Deutschland als Kern der EU für Investoren präsentieren, wie sie die in Toulon vereinbarten Leuchtturmprojekte umsetzen, ob es ihnen gelinge, überbordende Bürokratie abzhubauen und einen stabilen Sicherheitsrahmen zu schaffen. Die Wirtschaftskorrespondentin von „Le Monde“ in Berlin, Cécile Boutelet, stellte in den Vordergund, dass „Wirtschaft“ vor allem Menschen seien, die immer wieder Gelegenheiten von Austausch fänden und tolle Projete entwickelten. Diese gelte es zu fördern. Hier kam auch die Sorge zum Ausdruck, dass die Lust am Erlernen der Sprache des anderen abgenommen habe. Aber beide Podiumsteilnehmer haben einst ihr Interesse an den deutsch-französischen Beziehungen über persönliche Begegnungen in der Jugendzeit gefunden.

Das zweite Podium war der Arbeit der DFPV gewidmet. Der deutsche Co-Vorsitzende des Vorstands dieser Versammlung, der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag Andreas Jung, verwies auf die vielen inhaltlichen Initiativen, die die DFPV ergriffen und an Bundestag und Nationalvesammlung weitergeleitet habe. Dabei gehe es immer um persönliche Beroffenheit der Bürger, etwa in Fragen der Verkehrsverbindungen zwischen beiden Ländern oder der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die Grünen-Abgeordnete Jeanne Dillschneider aus dem Saarland, die ebenfalls Mitglied der DFPV ist, verwies darauf, dass Frankreich in Fragen der Digitalisierung Deutschland voraus sei und man deshalb voneinander lernen müsse. Die Projekte im Saarland zur Gewinnung von „grünem Stahl“ gingen ohne Kooperation mit Frankreich überhaupt nicht.

Mathilde Müller-Bulabois, Vorstandsmitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft Bayreuth, stellte die Jugendarbeit der DFG vor.

Schließlich konnte Mathilde Müller-Bulabois von der DFG Bayreuth Gelegenheit nehmen, das Programm „Jeunesse active“ vorzustellen, das den Freunden in Bayreuth Zulauf von jungen Engagierten gebracht hat. Vier Prinzipien bildeten die Grundlage für ihre Initiative: 1. Sie suchen Zugang zu jungen Leute über die Schulen, etwa indem sie Vorlesewettbewerbe veranstalten. 2. Sie organiseren Info-Abende unter dem Motto „Auf nach Frankreich“, bei dem sie über Möglichkeiten für Ferienjobs oder Praktika informieren. 3. Sie laden ein zu „Jugend kocht“, wo Jugendliche gemeinsam Mahlzeiten zubereiten und verzehren (wie sich das für Frankophile gehört??). 4. Dies alles geschieht in Eigenverantwortung der Jugendlichen, die an Konzipierung, Vorbereitung und Ausführung der Aktivitäten von Anfang an teilhaben. Am Ende konnte die DFG über die Jugendlichen auch Zugang zu deren Eltern oder Großeltern finden. – Die Präsentation der DFG Bayreuth ist hier abrufbar.

Die politischen Diskussionen, vermischt mit dem Austausch praktischer Erfahrungen wurden anschließend bei einem Umtrunk bis in den späten Abend fortgesetzt.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds, dem Institut Francais Deutschland und der Alfred-Töpfer-Stiftung. DP

Alle Fotos: © Martin Klemmer.