150 Jahre Konrad Adenauer

Am 5. Januar 2026 wäre der erste Kanzler der Bunderepublik Deutschland, Konrad Adenauer, 150 Jahre alt geworden. Diesen Jahrestag zu feiern hatten die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in den ehemaligen Plenarsaal des Bundestages in Bonn eingeladen. Die VDFG zählte zu den Ehrengästen und wurde durch ihren Pressereferenten und Vorstand Dr. Detlef Puhl vor Ort vertreten.

In der derzeit konfliktreichen Weltlage nahmen die Festredner, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Europa-Abgeordnete David McAlllister, die Veranstaltung zum Anlass, besonders das Europa-Engagement Adenauers in Erinnerung zu rufen. Schon 1950 habe Adenauer gesagt, Europa müsse auf eigenen Füßen stehen, erklärte McAllister. Nun, da die Gewissheiten in Bezug auf die USA bei uns leider ins Wanken geraten seien, müsse Deutschland entschieden vorangehen und gemeinsam mit Frankreich als Atommacht bis zum Ende des Jahrzehnts eine Europäische Sicherheits- und Verteidigungsunion auf den Weg bringen. Norbert Lammert, der bis zum Ende des Jahres 2025 Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung war, erinnerte an die Worte Adenauers, dass „die Interessen der USA und Europas nicht immer identisch“ seien. Die „Spezialoperation“ der USA vom Wochenende des 3. Januar in Venezuela habe eine verheerende Wirkung hinterlassen. Und um zu bekräftigen, dass Politik auch mit eigener Haltung der Verantwortlichen zu tun habe, betonte Lammert: „Konsens-Poltiker war Adenauer nicht.“

Umso deutlicher prägte das Vermächtnis Adenauers die Gedenkfeier, das darin besteht, dass der Kanzler von Anfang an für die Westbindung der neuen Bundesrepublik stand. Damit liege jetzt aber auch die Frage auf dem Tisch, was „der Westen“ heute bedeute, betonte der NRW-Minister für Bundes- und Europa-Angelegenheiten, Nathanael Liminski, in seinem Grußwort, und wie eine „europäische Säule“ des Westens aussehen könne. Als sein größtes Bedauern während seiner Amtszeit, die immerhin von 1949 bis 1963 und damit länger als die gesamte Weimarer Republik dauerte, habe Adenauer das Scheitern der „Europäischen Verteidigungsmgemeinschaft“ 1954 benannt.

Lammert stellte das Vermächtnis dieses Rheinländers, der seine politische Karriere als Oberbürgermeister von Köln noch zu Zeiten des Kaiserreiches begonnen hatte, in den großen historischen Zussmmenhang – sein mutiges und durchaus nicht unumstrittenes Engagement für ein modernes, demokratisches Deutschland, das von seinen Nachbarn in Europa wieder in ihrer Mitte aufgenommen werde. So war die Feierstunde zu Beginn des Jahres 2026 ein neues Bekenntnis zu einem handlungsfähigen Europa. DP

Foto (Puhl): Norbert Lammert bei Festrede zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers