Damals, mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2022, entstand die Idee, in einem Podcast über Missverständnisse im Verhältnis beider Länder zu reden, nicht nur in unseren lokalen Vereinen und Stammtischen, sondern in einem prinzipiell unbegrenzten Rahmen. So begannen im Dezember 2021 Andreas Noll, Redakteur beim Deutschlandfunk, und Landry Charrier, Redeaktionsleiter des Online-Magazins „dokdoc.eu“, damit, anhand aktueller Ereignisse die Hintergründe zu diskutieren, in deren Rahmen die Akteure in Deutschland und Frankreich jeweils dazu kommen zu tun, was sie tun. Denn, das wissen die Engagierten in den Deutsch-Französischen Gesellschaften, in unserem Verhältnis zueinander stoßen wir immer wieder auf Unverständnis, Missverständnisse, weil wir nicht immer verstehen, wie der andere „tickt.“
So entstand der Podcast „FrankoViel“. Den Namen hatte sich Andreas Noll schon 2002 schützen lassen. Aus den ca. 150 Abrufen pro Monat zu Beginn, sind heute mindestens 800 Hörer pro Folge geworden, bei besonders erfolgreichen Themen auch bis fast 2000. Die erfolgreichsten Folgen waren mit Ulrich Wickert, der deutsch-französische Missverstädnisse und historische Momente erklärte, mit Isabelle Bourgeois über Klischees und mit Jacob Ross über den Senegal und Frankreichs Afrikapolitik – wer hätte das gedacht?
Jetzt, zur 100. Folge des Podcasts „FrankoViel“, hatten die „Macher“ zu einem „Live-Podcast“ in das Gustav-Stresemann-Institut in Bonn eingeladen, bei dem drei Experten über die „Melodie einer schwierigen Partnerschaft“ diskutierten, das Konzept eines „Francallemagne“ (also einer Union Frankreichs und Deutschlands) als Option für Europa. Es wird nicht überraschen, dass nicht vorrangig über die Einzelheiten einer solchen Union diskutiert wurde, die niemandem realistisch erscheint, sondern darüber, vor welchen Herausforderungen beide Länder zur Zeit stehen, und wie, bzw. ob sie diese gemeinsam bewältigen können. Dr. Claire Demesmay, die Leiterin des Institut Français in Bonn, sowie Dr. Jacob Ross, Leiter des Frankreich-Programms der DGAP in Berlin und Jan Techau, Europa-Direktor der (US-amerikanischen) Eurasia Group, ebenfalls aus Berlin, besprachen die vielen verpassten Gelegenheiten, die Neuanfänge und darauf folgenden Enttäuschungen (Macron-Merkel und Sorbonne, Macron-Scholz und Ukraine/Biden, Macron-Merz und Finanzen/FCAS, Macron ohne Mehrheit), die Lehren, die hätten gezogen werden können und müssen, die aber nicht gezogen wurden. Dabei spielte natürlich auch die trotz ähnlicher Ausdrucksweise immer wieder recht unterschiedliche Bewertung der Rolle der USA und Donald Trumps in und für Europa eine große Rolle.
Das Podium bot eine eindrucksvolle Lehrstunde in der Interpretation politischen Handelns in unserer ganz besonderen deutsch-französischen Konstellation, die zugleich interessegeleitet praktische , wie emotionale Elemente aufweist. Dem wurden die jetzt 100 Folgen des Podcast dadurch gerecht, dass sie immer politische, strategische, gesellschaftliche Ereignisse, die das ein oder andere Land oder beide Länder betreffen, in einen kulturellen, Mentalitäten und Sensibilitäten bedenkenden Kontext stellten. Es lohnt sich gewiss, einmal hineinzuhören: https://franko-viel.podigee.io/104-jubilaeumsfolge-francallemagne. DP
