Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V.
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Bürgerfonds, Top-Nachricht-Archiv

Zivilgesellschaft als Pfeiler der deutsch-französischen Freundschaft

9. Januar 2021 Bürgerfonds, Top-Nachricht-Archiv 1 Kommentar

Ein Gastbeitrag der Regionalen Beraterinnen des Deutsch-Französischen Bürgerfonds

Neue Unterstützung für ein einzigartiges Netzwerk

Der regelmäßige und gewinnbringende Austausch zwischen tausenden engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Deutschland und Frankreich wurde durch die Covid-19-Pandemie erheblich beeinträchtigt. Zu den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern gehören auch wir… und wir vermissen unsere Kooperationspartnerinnen und -partner im anderen Land!  Anlässlich des Deutsch-Französischen Tages am 22. Januar möchten wir daran erinnern, dass die deutsch-französische Freundschaft in den Zivilgesellschaften beider Länder tief verwurzelt ist. Und dies soll – auch im Sinne eines europäischen Zusammenhalts – trotz der Pandemie so bleiben.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf Bürgerebene bildet ein einzigartiges, buntes und dicht gewobenes Geflecht zwischen Strukturen, Institutionen, Bildungseinrichtungen, Medienvertretenden, Vereinen, Partnerschaften und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, welche dem jeweils anderen Land zugewandt sind. Diese vielfältige Gemeinschaft trägt unzählige Austauschformate und braucht Unterstützung. Wir begrüßen es sehr, dass grenzüberschreitende Akteure nunmehr auf starke Unterstützung zählen können: den Deutsch-Französischen Bürgerfonds.

Sein Start im April 2020 sorgte für eine neue Dynamik, die umso wertvoller war, als die erste Welle des Corona-Virus’ deutsch-französische Treffen abrupt zum Erliegen brachte. Initiiert durch den Vertrag von Aachen, den Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Macron im Januar 2019 unterzeichnet hatten, spiegelt der Bürgerfonds den politischen Willen wider, Verbindungen zwischen den Zivilgesellschaften zu stärken, insbesondere Bürgerinitiativen und Städtepartnerschaften.

Angesichts der Vielschichtigkeit der aktuellen Krise ist deutsch-französisches Engagement notwendiger denn je

Dieses Engagement ist heute notwendiger denn je: Die Gesundheitskrise erschwert Begegnungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern beider Länder erheblich, die sich abzeichnende wirtschaftliche und soziale Krise birgt das Risiko, dass sich die Anzahl der Projekte und der beteiligten Akteure aufgrund fehlender Ressourcen dauerhaft verringert. Darüber hinaus stehen unsere Demokratien vor einer weiteren Herausforderung: dem Kampf gegen den Rückzug in die eigene Filterblase, gegen fortschrittsfeindliche Bestrebungen und Radikalisierung.

Deutsch-französische Engagierte setzen all dem etwas entgegen: Seit der ersten Infektionswelle sind zahlreiche digitale Austausche der Beweis für die Überzeugung, die Beharrlichkeit und den Einfallsreichtum derjenigen, die die deutsch-französische Freundschaft vor Ort mit Leben füllen. Um nur einige Beispiele zu nennen: digitale Konferenzen, Podcasts, Videoprojekte, virtuelle Ausstellungen und Online-Seminare – jedes dieser Projekte knüpft wertvolle Verbindungen und schafft Raum für einen Dialog, den wir so dringend innerhalb unserer Gesellschaften und auch zwischen den Ländern brauchen.

Unsere Wünsche für 2021

Januar ist immer auch die Zeit der guten Wünsche für das neue Jahr. Wir hoffen, dass physische Treffen so bald wie möglich wieder stattfinden können. Wir werden nicht nachlassen in unserem Engagement und uns mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass deutsch-französische Projekte weiterhin stattfinden können.

Unser Ziel ist es, gemeinsam einzutreten für ein Europa der interkulturellen Begegnungen, des Dialogs zwischen den Kulturen, des praktischen Erfahrungsaustauschs vor Ort und der gemeinsamen Reflexion, um die großen Herausforderungen anzugehen und unsere Gesellschaften voranzubringen.

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Unterzeichnet vom Netzwerk der Regionalen Beraterinnen und Berater des Deutsch-Französischen BürgerfondsEingebunden in Strukturen wie Vereinen oder Gemeinden setzen sich die Regionalen Beraterinnen und Berater für die deutsch-französische Zusammenarbeit ein. Vor Ort entwickeln sie Projekte und Ideen mit und motivieren Personen, die deutsch-französisch aktiv werden möchten.

Sie können diese Erklärung als Mitunterzeichner unterstützen: https://docs.google.com/forms/d/1-cXLmPv2ARP_tPTsAhweLFvxmZA91JLYYPZe9UngrgMhttps://docs.google.com/forms/d/1-cXLmPv2ARP_tPTsAhweLFvxmZA91JLYYPZe9UngrgM

Und hier finden Sie den Text in beiden Sprachen als pdf-Dokument.

Hier veröffentlicht durch die RB Norddeutschland Dr. Margarete Mehdorn


1 Kommentar

  1. Claudia Harter schrieb am :

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin deutsche Staatsbürgerin, wohne im Elsaß und arbeite in Deutschland als Beamtin. Ich habe mich zeit meines Berufslebens für die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit eingesetzt, zuerst im Rahmen meines Studiums am Frankreichzentrum der Universität Freiburg, dann bei der Mitarbeit für den deutsch-französischen Studiengang zur Lehrerausbildung der Universität Mulhouse und der Pädagogischen Hochschule Freiburg und jetzt beim Fremdsprachunterricht Französisch in der Realschule.
    Die Idee des Bürgerfonds bzw. des d-f-Austausches liegt mir also auch sehr am Herzen. Aber die Ereignisse der letzten Zeit im Zusammenhang mit der Corona-Krise beunruhigen mich sehr, ich befürchte, dass wir womöglich demnächst wieder an einen Punkt kommen, an dem wir im Frühjahr dieses Jahres schon einmal waren.
    Damals wurden die Grenzen geschlossen, was Hand in Hand ging mit den Schließungen der Schulen und anderen Maßnahmen. Schon damals waren diese Maßnahmen für uns Bürger des Oberrheingebietes sehr hart, denn wir haben hier einen gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum, in dem die viele Menschen sich so eingerichtet haben, dass sie beide ´Seiten´ des Raumes zum Leben brauchen. Diese Art Verbindung besteht in vielen Bereichen und kann nicht einfach gekappt werden, die Menschen hier arbeiten auf beiden Seiten, gehen auf beiden Seiten zum Arzt, zum Sportverein und so weiter. Auch Familien bestehen hier aus Angehörigen mit deutscher und französischer Nationalität. Doch kam damals alles Leben zum Erliegen, man musste lernen, mit dieser Krise umzugehen, es war die erste Antwort darauf.
    Doch die Erfahrung, vor einer geschlossenen Grenze zu stehen, die mit Maschinengewehren bewacht wurde, nicht mehr in mein Heimatland, zu meiner Familie gelangen zu können, war schrecklich.
    Problematisch war diese Antwort auch in Bezug auf die deutsch-französische Freundschaft und das deutsch-französische Zusammenleben schon damals, denn es kam, im Zusammenhang mit den Grenzschließungen, zu einer verstärkten Rhetorik, die Menschen, die in Frankreich wohnen und nach Deutschland pendeln – nein, eigentlich müsste ich hier sagen, die in Frankreich und Deutschland, also hier im Oberrheingebiet, wohnen, denn ´wohnen´ bezieht sich nicht nur auf den Ort, wo sich die Wohnung oder das Haus befindet – ausgrenzte. Einkaufen, Tanken, ja, sich einfach nur Aufhalten wurde damals unter drastische Strafen gestellt, woraufhin die Blicke der Menschen mit dem ´richtigen´ Nummernschild oder der richtigen Sprache misstrauisch, ja sogar abweisend wurden – oder Schlimmeres. Das hielt ich schon im Frühjahr für eine sehr gefährliche Entwicklung, die der deutsch-französischen Freundschaft sicher nicht zuträglich ist.
    Diese Regelungen bzw. Verbote bezogen sich auf Verordnungen, die im Großen, d.h. in Bezug auf Deutschland und Frankreich an sich, vielleicht Sinn machen, die aber hier nicht zutreffen. Denn Menschen, die am Oberrhein leben, sind keine Grenzgänger und keine Ein- oder Rückreisende, sie sind Bürger einer Region, die grenzüberschreitend sein sollte.
    Jetzt kommen die Verordnungen zurück und auch die verstärkten Grenzkontrollen. Einkaufen wird auf deutscher Seite unter Strafe gestellt, Menschen aus dem Elsaß trauen sich nicht mehr nach Breisach, man fühlt sich ständig illegal. Schon jetzt merkt man, wie die Stimmung wieder anfängt zu kippen, wie Menschen mit dem falschen Nummernschild wieder seltsam angeschaut werden und sich legitimieren müssen – kann es das sein? In Zeiten von Europa? In Zeiten der deutsch-französischen Freundschaft?
    Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Reisen in Zeiten von Corona eingeschränkt werden muss – aber noch einmal, wir sind keine Reisenden, wir leben hier, auf beiden Seiten des Rheins und der reine virtuelle Austausch ist wunderbar, aber für das tägliche Leben leider nicht ausreichend. Deswegen sollte die Politik sich gerade jetzt dafür einsetzen, bei aller Restriktion die Gemeinsamkeiten zu betonen und die Grenzen für alle Bürger des Oberrheins offen zu halten. Denn ich kann es nur wiederholen, die Einschränkungen führen zu Ausgrenzungen, zu einem ´die da drüben´ in den Köpfen, das das sensible Geflecht der deutsch-französischen Freundschaft bedroht. Ich versuche derzeit darauf aufmerksam zu machen und freue mich über jeden Zuspruch und jede Unterstützung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Claudia Harter
    IFS-Diplom (Interdisziplinäre Frankreichstudien)
    Realschullehrerin


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