Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V.
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Rundbrief April 2014

2. April 2014 Newsletter 0 Kommentare

“Der Tag wird kommen, an dem der Hass, der im Krieg unvermeidlich scheint, überwunden wird. Einmal muss das Europa Wirklichkeit werden, in dem Europäer leben können.” August 1943, Willy Brandt aus dem norwegischen Exil.
„Als ich ein Junge war, träumte ich von einem Europa ohne Grenzen. Nun reise ich quer hindurch, virtuell und realiter, ohne je meinen Pass zu zeigen, zahle sogar mit einer Währung, aber wo ist meine Emotion geblieben?“ Wim Wenders

Sehr geehrte Präsidentinnen, Präsidenten und Freunde in den Mitgliedsgesellschaften,
sehr geehrte Besucher unserer Website,

Wie zerbrechlich der Friede ist, wie gefährdet das sicher geglaubte Feld der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern sich aktuell darstellt, das erleben wir in diesen Tagen und Wochen in der Ukraine, hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auch hier wird erneut deutlich, dass in Europa wie überall gelten muss: Mit einem Nachbarn angedachte Veränderungen in den Beziehungen, die auch größere Konstellationen unmittelbar berühren, bedürfen der Einbeziehung aller. Bisweilen darf man Zweifel haben am richtigen Sensorium mancher politisch Handelnden.

Zu den weithin unbekannten Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs gehört auch ein schreckliches Geschehen, das sich vor genau 70 Jahren bei Paysac südlich von Limoges ereignete. Aus diesem Grund soll gerade heute daran erinnert werden. Näheres zum Massaker von Pont Lasveyras am Ende des Briefes. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Freiburg e.V. unterstützt die Nachforschungen der AFAV (Amicale des Familles et Amis des Victimes du Nazisme en Limousin) in deutschen Archiven. Auch das ist Friedensdienst!

Cordula Quadt ist die zweite Kraft im VDFG-Generalsekretariat

Unser Generalsekretariat in Mainz konnte per 01.04.2014 eine weitere Minijobstelle einrichten. Frau Cordula Quadt, Magistra Artium, Romanistin, spricht fließend Französisch, Englisch und Italienisch und verfügt über sehr gute EDV-Kenntnisse. In Kürze erhält sie eine Schulung in WORDPRESS und wird so intensiv an unserer Website mitarbeiten und Stefan Endell entlasten können. In das Tagesgeschäft führt sie Agnes Simon ein. Von besonderem Vorteil für künftige Kongresse: Frau Quadt ist hauptberuflich bei der Hyatt-Reservierungszentrale in Mainz beschäftigt und wird das Paket Hotelreservierungen professionell abdecken können. Ein besonderes Anliegen ist uns die kontinuierliche Pflege der Adresslisten unserer Mitgliedsgesellschaften und der direkte Kontakt zu den Vorsitzenden. Hier geht es wiederum vorrangig um die Aktualisierung unserer SERVICE-Seite in enger Zusammenarbeit mit unserer Vizepräsidentin Dr. Margaret Mehdorn.

Ich bitte alle Mitgliedsgesellschaften dringend, möglichst noch bis Ende April Hans Herth, dem Präsidenten der FAFA, den Fragebogen über als besonders gelungen betrachtete Aktionen zukommen zu lassen: hans.herth@wanadaoo.fr Sie haben ihn alle erhalten, können ihn aber auch von unserer Website www.vdfg.de herunterladen. Am Ende des Fragebogens finden Sie auch das vorläufige Programm für den Kongress in Dijon. Ggf. können Sie ihn bei mir anfordern. Unsere deutschen DFGen haben reiche Programme. Unsere französischen Freunde führen ebenso attraktive Aktionen durch. Dem Austausch der Erfahrungen untereinander in seiner Vielfalt widmet sich der Kongress von Dijon unter dem Thema: 10. – 12. Oktober 2014: Réussir la rencontre des cultures. Comment relancer les jumelages et cercles franco-allemands par la culture. Erfolgreiche Begegnung der Kulturen – Kultur als Impuls zur Stärkung der Städtepartnerschaften. Im Märzrundschreiben habe ich hierzu bereits ausführlich geschrieben. Besuchen Sie auch die Website der FAFA www.fafapourleurope.fr

Staatsminister Michael Roth, Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit, Bohuslav Sobotka, Ministerpräsident der Tschechischen Republik und Matthias Platzek, Ministerpräsident a.D. und Mitglied des Vorstandes der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Wer vom Franco-Allemand in Europa spricht, hat immer auch die Mitgliedsländer im Blick, die nach 1989 in die EU aufgenommen wurden. Dazu zählt auch Tschechien als unmittelbarer Nachbar mit seiner reichen, aber mit uns Deutschen durchaus auch konfliktuellen Geschichte. So passte es gut, dass ich die Einladung zur „Eminent Lectures Series – Mehr soziale Demokratie für Europa“ der Friedrich-Ebert Stiftung in Berlin am 13. März 2014 annehmen konnte. Redner war kein geringerer als der neugewählte Ministerpräsident der Tschechischen Republik Bohuslav Sobotka, herzlich begrüßt von Ministerpräsident a.D. Matthias Platzek. Wie hätte das Thema anders lauten können als „Europas Zukunft“? Den prägnanten Ausführungen Sobotkas durfte, bedingt durch die Aktualität der Ukrainekrise und der faktischen Annexion der Krim durch Russland. nicht fehlen die Erinnerung an die Zerschlagung der Resttschechei vor 75 Jahren durch NS-Deutschland und an die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 durch die sowjetrussischen Panzer. Die Spannung lag in der Luft. Nur ein Modell wie das der Montan-Union von 1950 vermag langfristig Frieden, Austausch und Wohlstand zu sichern. Ob Sanktionen indiziert seien, wurde eher skeptisch gesehen. Was den Beitritt Tschechiens zur Euro-Zone anbelangt, so blieb zwar die grundsätzliche Intention bestehen, doch der Weg schien in früheren Jahren leichter. Er wurde jedoch nicht beschritten aufgrund der Europa-skeptischen Führungen in Prag. Diese Einstellungen sind auch in der tschechischen Bevölkerung nicht ohne Folgen geblieben (70 % Furcht vor dem Euro, 50 % Europaskepsis).

Staatsminister Michael Roth, Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit, unterstrich in seinem „Kommentar“ unmissverständlich die Notwendigkeit eines in enger Abstimmung zu erfolgenden geschlossenen Auftretens der EU in der gegenwärtigen Ukraine-Krise. Wichtig dabei: Die Großen in der EU müssen die kleineren Staaten als gleichberechtigt in alle Planungen einbeziehen. Gerade die Erfahrungen der Visegrad-Staaten (Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn) mit den östlichen Nachbarn und ihr Zusammenwirken untereinander sind geeignet, in der Krise richtige Dialogwege zu finden. Im Schatten der Krise darf aber auch nicht vergessen werden, Antworten auf die drängenden Fragen der Menschen zu suchen und den Weg vom Binnenmarkt zur Sozial-Union zu gehen, so Roth. Angesichts der erschreckenden Prognosen für extreme, Europa-feindliche Parteien ist eine hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl vom 25. Mai 2014 von entscheidender Bedeutung.

Am 12. März habe ich allen Bezirken in Bayern geschrieben, welche eine deutsch-französische Regionalpartnerschaft pflegen. Allein im Bezirk Mittelfranken zählen wir 32 Kommunalpartnerschaften. Wenn es gelänge, die Regionalpartnerschaften zu einer Mitarbeit in der VDFG zu gewinnen, wäre dies ein großer Gewinn. Angeschrieben wurden die Bezirke Mittelfranken (Haute-Vienne, Creuse, Corrèze, Région Limousin), Niederbayern (Oise), Schwaben (Mayenne) und Unterfranken (Calvados). Ich bitte Sie, das Anliegen nach Ihren Möglichkeiten zu unterstützen.

Am 27.03. konnte ich auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Sulingen/Niedersachsen, Dirk Rauschkolb in einer Verwaltungsausschusssitzung die Arbeit der VDFG vorstellen und meine Hilfe anbieten für die Gründung eines Partnerschaftsvereins und die geplante Jumelage mit Mondoubleau im Loir & Cher.

Erneut lade ich ein und bitte ich Sie darum, in Ihren Erinnerungsarchiven zu suchen und mutig auszuwählen, was Sie Etienne Deschamps für die Ausstattung des „Haus der Europäischen Geschichte“ in Brüssel schicken wollen. Hier noch einmal die Kontaktdaten: Etienne Deschamps, Secrétariat Général du Parlement Européen, Maison de l’histoire européenne, rue de Trèves, TRI 2 V 61, B-1050 Bruxelles, +32 (0)2 283 1756, etienne.deschamps@europarl.europa.eu. Siehe auch mein Rundschreiben Februar 2014.

Laden Sie Ihre Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein, den VDFG-Jugend-Blog ZigZag / ZickZack zu besuchen und ihn mit Kommentaren oder Zuschriften an die Redaktion zu bereichern. https://vdfg.de/zigzag-blog/

Ich weiß nicht wie viele unserer Mitgliedsgesellschaften DOKUMENTE/DOCUMENTS und PARISBERLIN beziehen. Ich kann nur empfehlen, die stets aktuellen und profunden Beiträge der beiden Periodika zu lesen und weiterzugeben, z.B. an DFG-Mitglieder oder auch an Stadtbüchereien vor Ort.

 Lesetipp (aus PARISBERLIN März 2014)

Jean Echenoz, „14“, Hanser Verlag Berlin, 128 Seiten, 14,90 €

Genau 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird der Buchmarkt geradezu überschwemmt von einer unübersichtlichen Masse an Sachbuch-Wälzern. Jean Echenoz´ Kurzroman 14 liefert dazu einen lesenswerten literarischen Kontrast. Knapp und skizzenhaft umreißt 14 die erste globale Katastrophe des 20. Jahrhunderts im Zeitraffer. Er konzentriert sich dabei auf die Auswirkungen des Geschehens, das an einem wolkenlosen Sommertag im August des Jahres 1914 völlig unvermittelt über fünf junge Franzosen hereinbricht: die merkwürdig menschenleere Stadt nach der Mobilmachung, die Wandlung einer pittoresken Landschaft in ein Schlachtfeld und die langsame Gewöhnung über vier Jahre hinweg an ein Leben im absoluten Ausnahmezustand. Damit gelingt etwas, das den meisten Sachbüchern vollkommen fehlt: Jean Echenoz vermittelt den Lesern durch seine eleganten Beschreibungen eine eindringliche Vorstellung von der unwirklichen Lebensrealität des Krieges.

Filmtipp
Auf ARTE wird eine achtteilige deutsch-französisch-kanadische Koproduktion der dokumentarischen Dramaserie „14 Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ gezeigt, zusammengestellt aus 1000 Tagebüchern und Briefsammlungen. Eine tiefgründige und bewegende Dokumentation.

29.04.2014:       Episode 1 „Der Abgrund“ und Episode 2 „Der Angriff“

06.05.2014        Episode 3 „Die Verwundung“, Episode 4 „Die Sehnsucht“, Episode 5 „DieVernichtung“

   13.05.2014     Episode 6 „Die Heimat“, Episode 7 „Der Aufstand“, Episode 8 „Die Entscheidung“

 

Hörtipp::

Das multimediale Projekt „14-Tagebücher“ wird auch um eine gleichnamige Reihe für den Hörfunk

ergänzt.

 

WDR 5 – Verbleibende Termine:

06.04.2014, 0:30 h        Der Aufstand

13.04.2014, 07:30 h       Das Ende als Anfang

SWR2

04.04.2014, 08:30 h       Der Abgrund

11.04.2014, 08:30 h       Der Angriff

18.04.2014 08:30 h        Die Verwundung

25.04.2014, 08:30 h       Die Sehnsucht

02.05.2014, 08:30 h       Der Aufstand

09.05.2014, 08:30 h       Das Ende als Anfang

 

Aus dem DFJW-Newsletter März 2014:
Am 19. Februar tagte der 16. Deutsch-Französische Ministerrat in Paris. Beide Regierungen beschlossen, das Engagement junger Menschen zu stärken und den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst auszubauen.

Über den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst können sich junge Menschen für ein Jahr im Partnerland engagieren. Im Laufe ihres Freiwilligendienstes nehmen die Freiwilligen an mehreren Begleitseminaren teil. Die Freiwilligen aus dem Ökobereich trafen sich im verschneiten Orbey, um sich in einer deutsch-französischen Gruppe über ihre Erfahrungen auszutauschen und anschließend mit neuer Energie und Ideen in ihre Einsatzstelle zurückzukehren.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum hundertsten Jahrestag des Ersten Weltkrieges veranstaltet das DFJW dieses Jahr mehrere Aktionen, unter denen auch eine Kooperation mit der Gedenkstätte am Hartmannswillerkopf in den Vogesen vorgesehen ist. Joachim Gauck und François Hollande werden am 3. August hier zusammentreffen. Das DFJW wird hierbei mehreren Jugendlichen ermöglichen, vor Ort zu sein und sich mit den Staatschefs zu diskutieren. Dr. Markus Ingenlath und Jean Klinkert, Vize-Präsident des Hartmannswillerkopfkomitees, unterzeichneten am 6. März die Vereinbarung, die hierfür alle Modalitäten regelt.

Herzlich grüßt Sie

Ihr

Gereon Fritz


Das Massaker vom Pont Lasveyras:
Im Morgengrauen des 16. Februar 1944 brachen zwei bewaffnete deutsche Bataillone (vom SS Polizeiregiment 19 und vom Sicherungsregiment 95) aus Limoges in Südfrankreich auf und griffen 75 km weiter südlich eine sehr versteckt gelegene Mühle in der Nähe von Paysac an. In dieser Mühle, am sog. “Pont Lasveyras”, hielten sich zu diesem Zeitpunkt 49 junge Franzosen im Alter von 19 bis 25 Jahren auf, die der vom Vichy-Regime angeordneten Zwangsarbeit, dem sog. S.T.O (Service de travail obligatoire) entgehen wollten: doch allein dadurch wurden sie von den Deutschen automatisch der Widerstandsbewegung (Résistance) zugeordnet.

Nach kurzer Gegenwehr ergaben sich die jungen Franzosen, die fast unbewaffnet waren (wenige Gewehre aus dem 1. Weltkrieg, einige Pistolen, kaum Munition). Sie mussten sich vor der Mühle mit dem Gesicht nach unten hinlegen. Vierunddreißig (34) dieser jungen Menschen wurden an Ort und Stelle durch Genickschuss getötet, zwölf (12) von ihnen wurden in Konzentrationslager nach Deutschland und Österreich verschleppt, 5 davon starben im KZ Mauthausen. Ein junger Mann überlebte wie durch ein Wunder den Genickschuss, 2 weitere Männer konnten dem Überfall entkommen.

Die Hintergründe dieses Dramas (s. auch: http://gedenkorte-europa.eu/content/list/603/) werden seit einigen Jahren von Angehörigen und Nachkommen der Opfer untersucht, die sich zu einem Freundeskreis (Amicale des Familles et Amis des Victimes du Nazisme en Limousin et Périgord, AFAV) zusammengeschlossen haben. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Freiburg e.V. (DFG Freiburg) unterstützt die Nachforschungen der AFAV in deutschen Archiven. (R. Jackisch, DFG Freiburg).


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