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Parlez-vous Deutsch? Sprachlos in die nächste Jahrhunderthälfte?

4. September 2013 Allgemeines Archiv, Presse 0 Kommentare

Hildegard Stausberg, Die Welt.

Jahrestage, so schreibt die diplomatische Korrespondentin der Zeitung DIE WELT, Hildegard Stausberg, in ihrer aktuellen Ausgabe der Kolumne “Die strenge Stausberg”,  dienten der Bestandsaufnahme. Aber nach den vielen deutsch-französischen Feierlichkeiten an verschiedensten Orten, so führt sie weiter aus,  beschleiche einen das Gefühl, dass in der Vergangenheit zwar viel geleistet wurde, der Elan in der Gegenwart aber deutlich nachgelassen habe. ” Sind viele Initiativen mittlerweile nur noch Routine? Fehlt heute das Herzblut der Nachkriegsgenerationen? Verständigt man sich heute nicht meist nur noch auf Englisch?” Lesen Sie die ganze Kolumne bei www.welt.de


„Sprachlos in die nächste Jahrhunderthälfte“

Gereon Fritz Präsident VDFG

Gereon Fritz Präsident VDFG

Leserbrief an die „DIE WELT, 1. 9.2013, Hildegard Stausberg: Warum lernen die Franzosen kein Deutsch mehr?“ von VDFG-Präsident Gereon Fritz.

Frau Stausberg gebührt Dank für die klare Analyse des Deutschlernens in Frankreich und des Französischlernens in Deutschland. Wie das Dilemma des Rückgangs der Deutschlerner in Frankreich gelöst werden kann, weiß so recht niemand. Fakt ist, dass die Deutschlehrer an französischen Collèges und Lycées sich größte Mühe geben, um den Prozess aufzuhalten. Und wenn auch insgesamt der Eindruck negativ erscheint, so gibt es doch hier und da auch gute Entwicklungen und kleine Fortschritte. Das Etikett „Elitesprache“ hat über Jahrzehnte geschadet. Die Didaktik und oft auch die allgemeine Unterrichtsmethodik ließ und lässt zum Teil noch arg zu wünschen übrig.

Doch auch hier gibt es in Frankreich große Anstrengungen für den Weg zur Besserung. Leider ist auch in den Köpfen vieler französischen Deutschlehrer immer noch das Etikett „Elitesprache“ virulent vorhanden. Es ist nach meiner Auffassung nahezu unerheblich, ob Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache gelernt wird. Wichtig nur ist es, dass es überhaupt gelernt wird. Ein weiteres Ärgernis ist zweifelsfrei der geringe Wochenstundenansatz.

Ich weiß von französischen Gymnasien, in denen der Schulleiter in der Terminale gerade mal noch eine Wochenstunde ansetzt. Im Vergleich dazu liegt die Wochenstundenzahl für Französisch an deutschen Sekundar I – Schulen (Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen) zwischen 3 bis 4 Wochenstunden, die nicht kürzbar sind. Der Einsatz der Vereinigung der Französischlehrerinnen und Französischlehrer für die Erlernung der Sprache unseres Partnerlandes hat am vergleichsweise guten Stand des Französischen in unseren deutschen Schulen ein großes Verdienst.

Die VDFG für Europa, der die VdF angehört, wird auf ihrem Kongress vom 12. – 15.09.2013 in Bonn in einem großen Atelier „Sprachlos in die nächste Jahrhunderthälfte“ das Thema Sprache in beiden Ländern erörtern. Die Mitgliedsgesellschaften der VDFG und FAFA tun alles ihnen Mögliche, um die Prozesse der Spracherlernung zu optimieren. Was fehlt, ist der wirkliche politische Wille auf beiden Seiten, wie er im Elysee-Vertrag von 1963 postuliert wurde:

„Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zweck werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen.

Die Bundesregierung wird in Verbindung mit den Länderregierungen, die hierfür zuständig sind, prüfen, wie es möglich ist, eine Regelung einzuführen, die es gestattet, dieses Ziel zu erreichen. Es erscheint angebracht, an allen Hochschulen in Deutschland einen für alle Studierenden zugänglichen praktischen Unterricht in der französischen Sprache und in Frankreich einen solchen in der deutschen Sprache einzurichten.“

 

 

 


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