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Nous sommes en guerre – die Lage ist sehr ernst

19. März 2020 Aktuelles Archiv, Allgemeines Archiv 0 Kommentare

“Nous sommes en guerre” – “vive la France”. Zweimal innerhalb einer Woche wandte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von seinem Elysee-Palast aus mit großen Worten direkt an die Bevölkerung, um ihr seine Entscheidungen (“j’ai décidé”) zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Frankreich vorzustellen. Drastische Maßnahmen, die das öffentliche Leben nahezu lahm legen sollen. “Die Lage ist sehr ernst. Nehmen Sie sie ernst”. Zum erstenmal in ihrer ins 15. Jahr gehenden Kanzlerschaft wandte sich auch Angela Merkel außerhalb der Neujahrsansprache direkt an die Bevölkerung, um ihre Maßnahmen zu erläutern, die schwerwiegendsten seit Bestehen der Bundesrepublik, um das exponentielle Wachstum der Corona-Infektionen zu verlangsamen, das jetzt auch Deutschland erfaßt hat. Covid-19, das Coronoa-Virus, hat Europa fest im Griff. Vor einer Woche noch schien das Problem beherrschbar, waren die Zahlen der Infektionen und Todesopfer in Frankreich und Deutschland moderat. Und dann änderte sich plötzlich alles. Die Kurve der Erkrankungen schoß in die Höhe. Und der Blick nach Italien, Spanien, Belgien läßt befürchten, daß der Höhepunkt noch längst nicht erreicht ist.

Macron verkündete eine komplette Ausgangssperre für alle Bürger im ganzen Land. Nur wer zur Arbeit, und zwar zur gesellschaftlich notwendigen Arbeit, geht oder fährt, wer seine Lebensmitteleinkäufe tätigen will, wer sich zu einer ärztlichen Behandlung begibt, wer einen hilfsbedürftigen Angehörigen aufsucht und wer einen kurzen Spaziergang machen, den Hund ausführen will, darf sein Haus oder seine Wohnung verlassen – immer eine eigenhändig unterschriebene Erklärung dabei, welcher der erlaubten Gründe zum Verlassen der Wohnung zutrifft. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geldbußen. Cafés, Bars, Restaurants, Kinos, Theater, etc., alles was das öffentliche Leben in Gesellschaft ausmacht, mußte schließen. Anderntags verkündeten der Innenminister und der Premierminister, an welche neuen Regelungen sich die Bürger zu halten haben – zunächst für 15 Tage. Dann wird man sehen.

Angela Merkel war nicht viel weniger drastisch, auch wenn eine allgemeine Ausgangssperre (noch) nicht zu ihrem Maßnahmepaket gehört, das sie mit den Regierungschefs der Länder vereinbart hat. Sie kann nicht, wie der französische Partner, Maßnahmen anordnen, die die Regierung dann umzusetzen hat. Die meisten der Maßnahmen in Deutschland müssen von den Ländern und Kommunen umgesetzt werden. Die Kanzlerin kann anleiten, unterstützen, aber nur in wenigen Fällen anweisen, was zu tun ist. Aber beiden Regierungen geht es darum, dringend, sehr schnell, das rasante Wachstum der Infektionen zu brechen, weil sonst die gesundheitliche Versorgung zusammenbricht, wie in Italien zu besichtigen ist. Nach allem, was die Experten dazu übereinstimmend raten, geht dies nur durch die sofortige Schaffung von Distanz zwischen Menschen, physischer Distanz. Die langen Schlangen an der deutsch-französischen Grenze, wo nun wieder eifrig kontrolliert wird, wie an anderen innereuropäischen Grenzen auch, sind eine der Folgen.

Deutsch-Französische Gesellschaften stehen in dieser Situation vor einer besonderen Herausforderung. Die Sorge um die Gesundheit im eigenen Land darf nicht dazu führen, daß unsere europäische Solidarität leidet. Im Gegenteil, wir haben allen Grund darauf zu achten, daß die Verbindungen zu unseren Partnern keinen Schaden nehmen, daß wir uns weiterhin gegenseitig unterstützen, wo wir können, und daß wir nach Bewältigung der Pandemie gemeinsam daran gehen, Lehren aus dem Krisenmanagement zu ziehen, nicht nur innerhalb unserer Länder, sondern auch im Hinblick auf ihr Zusammenwirken. Wir sollten diese Krise auch als Bewährungsprobe für unsere eigenen Aktivitäten sehen.

Detlef Puhl

Titelfoto von Martin Sanchez, veröffentlicht auf Unsplash


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