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Entsetzen über weiteres Attentat in Nizza

2. November 2020 Aktuelles 0 Kommentare
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Wenn Frankreichs Schüler am Montag, 2. November, nach den Herbstferien wieder in ihre Klassen zurückkehren, werden sie mit einem Thema konfrontiert werden, das Frankreich mehr als andere europäische Länder bedrückt: Islamistischer Terror. Um elf Uhr wird zu einer Gedenkminute für den ermordeten Lehrer Samuel Paty aufgerufen, an der Erziehungsminister Blanquer an dessen Schule in Conflans-Sainte-Honorine teilnehmen wird. Zuvor wird ein Brief des kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs ermordeten Politikers Jean Jaurès verlesen, den dieser als junger Abgeordneter im Jahr 1888 an die Lehrer richtete. Darin ruft er unter anderem dazu auf, die Jugend dazu zu erziehen, ihr Land zu kennen und zu verstehen, zu wissen, was es bedeutet, Bürger eines freien demokratischen Landes mit seinen Rechten und Pflichten zu werden, ein Verständnis für die menschliche Zivilisation und Respekt für die Menschen zu entwickeln. Und er fordert, daß die Lehrer von diesen Werten durchdrungen sein müssen.

Dieser Brief war schon bei der Gedenkfeier für Samuel Paty im Hof der Sorbonne verlesen worden. Dann wird für die Lehrer Gelegenheit sein, mit ihren Schülern auf angemessene Weise über die Fragen zu sprechen, die diese angesichts der terroristischen Akte in einer demokratischen Gesellschaft mit Meinungsfreiheit bewegen. Leider besteht dazu ein weiterer Grund, denn nur wenige Tage nach der Ermordung von Paty hat religiöser Fanatismus in Nizza drei weitere Menschen das Leben gekostet.

Wieder hört man im politischen Diskurs die Aussage, Frankreich befinde sich im Krieg; diesmal nicht gegen das unsichtbare Virus, sondern gegen Anhänger einer terroristischen Ideologie, die an das Wesen westlicher, demokratischer, offener Gesellschaften, ja an das Wesen Frankreichs rührt und keine Kompromisse duldet. Schon fordert Marine Le Pen eine Art von Kriegsrecht gegen Islamisten. Und nationalistische Reflexe auf solche Terrorakte, die auch bei uns stattfinden, können uns nicht unberührt lassen. Das Thema ist von höchster Brisanz auch für uns. Nur gemeinsam werden die europäischen Demokratien dieser Terrorgefahr begegnen und ihre freiheitlichen Demokratien verteidigen können.

Siehe dazu auch die “Commentaires Oktober 2020″ der DFG Frankfurt/Main. D.P.


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