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Festandacht für Frère Luc in der Französischen Kapelle Soest

10. Dezember 2018 Unsichtbar 0 Kommentare
Foto: GFK Soest

Am 8. Dezember 2018 hielt die Geschichtswerkstatt Französische Kapelle Soest eine Festandacht zum Gedenken an Frère Luc (Paul Dochier) ab, der an diesem Tag in Algerien von der katholischen Kirche selig gesprochen wurde. Die VDFG war durch ihren Ehrenpräsidenten Gereon Fritz an dieser beeindruckenden Feier vertreten. 


Foto: Markus Klüppel/GFK

Gereon Fritz schreibt: “Es war eine sehr beeindruckende Feier mit Violine und Bratsche zweier Schüler, Gebeten, Liedern, Lesungen und Zeugnissen von Frau Brand und Pfarrer Wilfried Göddecke aus Dortmund. Pfarrer Eilebrecht hatte die liturgische Leitung. Die Vorbereitung hatte Markus Klüppel, Vorstandsmitglied der Geschichtswerkstatt. Etwa 30 Personen waren erschienen, darunter auch Hans-Josef Vogel, Regierungspräsident in Arnsberg. Der WDR und die regionale Presse waren ebenfalls anwesend. In der Mediathek des WDR Loklazeit Südwestfalen ist die Feierstunde, die am 10.12.2018, 19:30 ausgestrahlt wurde, weiterhin  zu sehen.


Hintergrund: 


Am 8. Dezember 2018 fand in Oran / Algerien die Seligsprechung der 1996 ermordeten Mönche von Tibhirine statt, von denen der Älteste der Gruppe, Frère Luc, mehr als zwei Jahre freiwillig im Offizierslager am Meiningser Weg im südwestfälischen Soest gelebt hat.

Das ist ein guter Grund, auch in Soest an ihn zu erinnern. Der Film „Von Menschen und Göttern“ wurde 2010 in Cannes ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte der Mönche aus dem Kloster Notre Dame de l’Atlas in Tibhirine im Atlasgebirge bis zu ihrem Tod.

Paul Dochier, später Frère Luc. (Foto: GFK Soest).

Der Älteste in dieser Möchsgruppe war mit 82 Jahren Frère Luc, mit bürgerlichem Namen Paul Dochier. Unter diesem Namen war er von 1943 bis 1945 als französischer Offizier Kriegsgefangener im Offizierslager am Meiningser Weg in Soest, zusammen mit seinem Schwager Charles Laurent.

Paul Dochier war bereits vor dem Krieg Trappist geworden. Zu Kriegsbeginn war er für die französische Armee in Marokko stationiert gewesen, wo er seine Liebe für Nordafrika entdeckte. Nach dem Waffenstillstand kehrte er in sein Kloster in Frankreich zurück. Aus den Briefen seines Schwagers aus Soest erfuhr er von dessen Einsatz für sowjetische Gefangene, die in einer Ecke des hiesigen Lagers unter sehr schwierigen Bedingungen lebten, und er beschloss, seinen Schwager bei diesem Einsatz zu unterstützen.

Paul Dochier / Frère Luc meldete sich freiwillig in die Kriegsgefangenschaft nach Soest und ließ sich gegen einen Studienfreund und Familienvater austauschen, der durch ihn heimkehren konnte. Im April 1943 traf er in Soest ein und baute energisch mit seinem Schwager die Unterstützung der Sowjets im Lager auf. Als bei ihnen Typhus ausbrach, ließ er sich mit ihnen einschließen.

Nach Kriegsende blieben beide Offiziere noch bis zum Sommer 1945, um die Sowjets bis zu ihrer Rückkehr zu unterstützen. Die Zeit in Tibhirine begann 1946, wo Frère Luc die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Atlasgebirge in vielen Jahren geduldig aufbaute. Sein Ruf und der seiner Apotheke waren legendär. Er setzte mit großem Geschick die Einfuhr wichtiger Medikamente nach Algerien durch und sicherte auf diese Weise die medizinische Versorgung weit über das Atlasgebirge hinaus.

Die Mönche genossen großes Vertrauen, weil sie sich um die Menschen rund um das Kloster kümmerten, sich aber strikt aus den lokalen Konflikten heraushielten. „Ribât es-salâm“ (Band des Friedens) hießen die Begegnungen, in denen das Kloster regelmäßig Moslems und Christen zusammenführte.

Als die politische Lage immer bedrohlicher wurde, riet man den Mönchen, Algerien zu verlassen. Sie entschlossen sich zu bleiben, denn sie wollten die Menschen um das Kloster herum nicht im Stich lassen. Dabei war ihnen die Gefahr bewusst. Am 27. März 1996 wurde das Kloster überfallen, die Mönche entführt und am 21. Mai ihre Ermordung bekannt gegeben.

Ihr Leben aus dem Glauben und ihr daraus erwachsender Einsatz für die Menschen waren bedingungslos. Bis in die Gegenwart ist nicht geklärt, wer die Mörder waren. Aber die algerische Kirche hat sich nie vereinnahmen lassen. Die Seligsprechung findet in Oran statt, damit jene muslimischen Familien teilnehmen können, die in demselben blutigen Konflikt viele Angehörige verloren haben. Frieden kann man nur gemeinsam finden – das ist die Botschaft dieser Seligsprechung. (Text: Werner Liedmann, GFK Soest). 


 

 

 

 


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