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Studie: Städtepartnerschaften sind lebendig, divers und geschätzt

21. Januar 2018 Aktuelles 0 Kommentare
Auf dem Podium (v.l.n.r.): Lisa Möller, Geschäftsführerin des Deutsch-Französischen Jugendausschuss; Jean-Yves Hugon, ehemaliger Abgeordneter der Assemblée Nationale und stellv. Bürgermeister von Châteauroux; Moderator Fritz Vannahme; Céline Diebold, Projektmanagerin der Bertelsmann-Stiftung; Franziska Brantner, Bundestagsabgeordnete Bündnis90/Die Grünen. Foto: VDFG / Felix Hake

Das Deutsch-Französische Institut Ludwigsburg und die Bertelsmann-Stiftung präsentierten am 18. Januar 2018 in Berlin die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Studie zur Situation von deutsch-französischen Städtepartnerschaften – mit teils erstaunlichen Ergebnissen.

Vereine sind doch veraltet, sie kochen ihr eigenes Süppchen und sie sind vor Ort kaum bekannt – solche Vorurteile bekommt nicht selten zu hören, wer sich in einer Städtepartnerschaft engagiert. Doch eine aktuell erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg macht deutlich: Es steht gar nicht so schlecht um die kommunalen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Am 18. Januar 2019 hatten Institut und Stiftung in die Saarländische Landesvertretung nach Berlin eingeladen, um die detaillierten Ergebnisse zu präsentieren und sie im Anschluss mit Expertinnen und Experten des Franco-Allemand zu diskutieren.

Immerhin rund 1.300 Städte und Gemeinden hatten an der Umfrage teilgenommen, eine angesichts der 2.200 deutsch-französischen Städtepartnerschaften durchaus eindrucksvolle Zahl, ob derer sich die Autoren der Studie sehr zufrieden zeigten. Wenngleich der Rücklauf auf französischer Seite wesentlich schwächer ausfiel als in Deutschland, waren die Antworten auf beiden Seiten des Rheins regional überwiegend ähnlich verteilt – lediglich im deutschen Stadtstaat Hamburg nahm keine Städtepartnerschaft an der Befragung teil.

Ein Online-Fragebogen, der zuvor in Workshops in Deutschland und Frankreich erarbeitet worden war, sowie Gruppeninterviews dienten als Grundlage für die spätere Auswertung. Diese förderte dann einige Erkenntnisse zutage, welche die meisten Vertreter von Städtepartnerschaften beruhigen dürften:

  • Vor Ort genießen die Städtepartnerschaften in den meisten Fällen große Anerkennung durch die kommunale Verwaltung und werden finanziell angemessen unterstützt.
  • Die Mehrheit der Städtepartnerschaften entwickelt sich in ihren Aktivitäten konstant oder ist in den vergangenen Jahren sogar aktiver geworden.
  • Städtepartnerschaften sind alles andere als elitär: Die große Mehrheit der Vereine und Kommunen gibt an, dass ihre Austausche und Projekte alle Bevölkerungsgruppen erreichen. Dabei werden die Angebote überwiegend von älteren Menschen angenommen, wobei ein knappes Viertel der Teilnehmer unter 30 Jahre alt ist – diese positive Zahl dürfte vor allem auf Schüleraustausche zurückzuführen sein.
  • Deutsch-Französischer Austausch funktioniert auch ohne Fremdsprachenkenntnisse: Dank moderner Online-Hilfsmittel, der englischen Sprache oder anderen Teilnehmern mit Sprachkenntnissen ist die Kenntnis des Französischen bzw. des Deutschen kein Kriterium für die aktive Teilnahme an einer Städtepartnerschaft.

Auch in die Strukturen der Städtepartnerschaften gibt die Studie einen guten Einblick: So finden in Vereinen, Verwaltungen und Schulen in der Regel bis zu zwei jährliche Treffen statt, wobei immerhin jeder zehnte Verein angab, man treffe sich mehr als fünf Mal pro Jahr mit der Partnerstadt. Ebenso eindrucksvoll: In mehr als der Hälfte der Fälle nehmen mehr als 50 Teilnehmer an einer Fahrt in die Partnerstadt teil, in 15 Prozent der Fälle sind es sogar über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Schüleraustausche, Delegations- & Bürgerreisen und Reisen zu Veranstaltungen sind die beliebtesten Formate des Austausches – meistens werden sie durch das Partnerschaftskomitee bzw. in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung organisiert.

Aber was bringen Städtepartnerschaften eigentlich heute noch, auch über 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs? Die Studie identifiziert drei zentrale Bereiche: So ermöglichen Städtepartnerschaften zum einen zwischenmenschliche Erfahrungen wie das Knüpfen persönlicher Kontakte, die Erfahrung von Gastfreundschaft oder den Aufbau langjähriger Freundschaften. Auf der „Kognitiven Ebene“ führen Städtepartnerschaften laut den Autoren auch dazu, neue Lebensgewohnheiten sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu identifizieren und Vorurteile abzubauen. Am Ende haben Städtepartnerschaften aber auch eine ganz praktische Ebene: Sie sind für viele eine Form der Freizeitgestaltung, eine Gelegenheit zum Ausbau der eigenen Sprachkompetenzen oder bieten Chancen auf interkulturelle und berufliche Entwicklung.

Es ist ein gutes, positives Zeichen, das von den Ergebnissen dieser Studie ausgeht: Die Arbeit der Städtepartnerschaften läuft, sie wird angenommen und seitens der lokalen Institutionen (jedenfalls in den meisten Fällen) wertgeschätzt.

Aber das Papier ist auch Aufforderung und Verpflichtung für all jene, die in Städtepartnerschaften und anderen deutsch-französischen Vereinen aktiv sind, sich weiter mit viel Energie, Herzblut und innovativen Ideen für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich einzusetzen.

Dabei darf die fehlende Kenntnis der jeweils anderen Sprache kein Hindernis sein und auch die englische Sprache darf – entgegen teils gängiger Praxis – kein Tabu im Städtepartnerschaftsaustausch sein. Die Stärkung des beruflichen Austausches sowie die Einbeziehung derer, die bislang keinen Kontakt zum Franco-Allemand hatten, müssen zentrale Anliegen alltäglicher deutsch-französischer Vereinsarbeit werden. (Bericht: Felix Hake)


Die ausführliche Studie bietet die Bertelsmann-Stiftung hier zum Download an


 

 

 

 

 

 


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