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Bundespräsident mit Elsie-Kühn-Leitz-Preis ausgezeichnet

18. Januar 2018 Top-Nachricht 2 Kommentare
Preisverleihung im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten: Foto von links: Elke Büdenbender, Dr. Oliver Nass (Stifterfamilie und Enkel von Elsie Kühn-Leitz), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Dr. Margarete Mehdorn (Präsidentin der VDFG). Foto: © Bundesregierung / Guido Bergmann

Frank-Walter Steinmeier mit dem Elsie-Kühn-Leitz- Preis 2018 der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa für seine Verdienste als Bundesaußenminister ausgezeichnet.


Bericht von Stefan Endell


Die Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften für Europa e.V. (VDFG) hat am Donnerstag, 18. Januar 2018 an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Würdigung seiner Verdienste um die umsichtige wie zielstrebige Umsetzung der Verantwortung und der Vorreiterrolle Deutschlands und Frankreichs für den Aufbau eines demokratischen und solidarischen Europas den Elsie-Kühn-Leitz-Preis verliehen. Die Preisübergabe fand im Schloss Bellevue am Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin statt. Die Laudatio hielt Dr. Oliver Nass. 

Am 18. Oktober 1956, so der Laudator, Enkel von Elsie Kühn-Leitz, habe der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer an seine Großmutter, Dr. Elsie Kühn-Leitz folgende Zeilen geschrieben: „Ich stimme Ihnen zu, dass die deutsch-französische Verständigung das Kernstück für die Bemühungen um eine Einigung Europas ist. (…) Die dahingehenden Bemühungen der verantwortlichen Staatsmänner müssen aber ergänzt und getragen werden durch den lebendigen und unmittelbaren Kontakt, wie er in den, auch von Ihnen in so dankenswerter Weise unterstützten Zusammenkünften gepflegt wird.“

Die Ermutigung, neben dem politischen Dialog auch die Zivilgesellschaft beider Länder einander näher zu bringen, nahm Elsie Kühn-Leitz an und setzte sich ihr Leben lang unermüdlich für die deutsch-französische Verständigung ein, u.a. als Gründungs- und spätere Ehrenpräsidentin der DeutschFranzösischen Gesellschaft in ihrer Heimatstadt Wetzlar und des Arbeitskreises der Deutsch-Französischen Gesellschaften, der heutigen VDFG, oder als Initiatorin der Partnerschaft zwischen Wetzlar und Avignon sowie elf weiterer Städte und Gemeinden aus der jeweiligen Region.

Und weiter führte Oliver Nass in seiner Laudatio aus: „Am 30. März letzten Jahres, über 60 Jahre später, sagten Sie, sehr verehrter Herr Bundespräsident, bei Ihrem ersten Auslandsbesuch, der Sie nach Paris führte, dass es Aufgabe beider Länder sei, „das Erbe der europäischen Integration zu bewahren und den Menschen in der Europäischen Union Hoffnungen auf eine europäische Zukunft zu erarbeiten“.

Nass: „Sie haben damit eine Maxime verkündet, für die Sie sich schon lange vor Ihrer Ernennung zum Bundespräsident, ganz besonders in Ihrer Funktion als Bundesminister des Auswärtigen, mit Worten und Taten nachhaltig eingesetzt haben. Wir sind dankbar für Ihr Wirken als Außenminister, mit dem Sie gezeigt haben, dass beide Länder nicht nur für das Schicksal der Europäischen Union eine besondere Verantwortung tragen, sondern auch weltweit bei Krisensituationen mit einem gemeinsamen Vorgehen einen wertvollen Beitrag zum Frieden leisten können.“ (Text Laudatio Dr. Oliver Nass)


FOTOGALERIE PREISÜBERGABE


Bundespräsident Steinmeier dankte
in seiner Erwiderung sehr herzlich für diese Auszeichnung, über die er sich sehr freue, der er aber mit „einiger Demut entgegen gesehen“ habe, nachdem er in die Liste der bisherigen Preisträger geblickt habe:  Hans-Dietrich Genscher, Valéry Giscard d’Estaing, Jacques Delors und Helmut Kohl. Bundespräsident Steinmeier: „Dass Sie mich in diese Kategorie einordnen, erfüllt mich mit Demut, auf der anderen Seite ehrt es mich sehr.“

Er habe neben der großen Verbundenheit zu Frankreich aber auch eine deutsch-deutsche Verbundenheit zu der Herkunft dieses Elsie-Kühn-Leitz-Preises und der Unternehmerfamilie Leitz aus Wetzlar:  Er habe im Wintersemester 1976 sein Studium in einer technokratisch verunglückten Neugründung namens „Stadt Lahn“ aufgenommen. Ein Konstrukt, das den Überlebenswillen der Städte Gießen und Wetzlar völlig unterschätzt habe. Mehr als 14 Jahre habe er in dieser schönen Region gelebt.

Frankreich habe er schon zu Studienzeiten sehr gut kennengelernt. Später sei die Pflege der deutsch-französischen Beziehungen immer stärker ins Zentrum seiner innenpolitischen wie außenpolitischen Bemühungen gerückt. Am Ende habe er es mit vier verschiedenen Außenministern Frankreichs zu tun gehabt. Mit Philippe Douste-Blazy, Bernard Kouchner, Laurent Fabius und Jean-Marc Ayrault.

Innerhalb und außerhalb von Europa, so sagte Steinmeier in seiner Dankesrede, habe es kein Land gegeben, in dem er so häufig zu politischen Besuchen, Gesprächen, und Treffen gewesen sei, wie Frankreich – und dies nicht nur zu Schönwetter-Zeiten zwischen Deutschland und Frankreich .

Deshalb – mit all diesen Erfahrungen im Kopf – so Steinmeier, sehe er diese Auszeichnung der VDFG nicht nur als Ehre, sondern auch als Ansporn auch in dieser neuen Funktion als Bundespräsident weiter engagiert und überzeugt für die Vertiefung der engen Partnerschaft mit Frankreich einzutreten.

Er freue sich, die VDFG mit ihren mehr als 20.000 Mitglieder da an seiner Seite zu wissen. Erst recht nachdem er auch die Resolution des 62. Jahreskongresses der VDFG-FAFA gelesen habe. Steinmeier: „Ich stimme ausdrücklich Ihrem Appell zu, dass wir diesen historischen Moment nach der Wahl in Frankreich für eine Neuausrichtung der Europäischen Union nicht verpassen dürfen. Es ist die einzige Chance zur Überwindung dieser europäischen Dauerkrise, unter der wir gemeinsam mindestens seit 2009 leiden.“

Aber ohne solides zivilgesellschaftliches Fundament wird Politik auch in Zukunft, erst Recht in Zukunft, keine nachhaltige Erfolge erzielen. Sie und Ihre Mitglieder leisten hier einen ganz unschätzbaren Beitrag. Sie füllen politische Erklärung und Beschlüsse erst mit Leben, Sie setzen sie im Alltag um, Sie machen das, was wir Politiker gerne „Versöhnungsarbeit“ nennen.“

 

Die Mitglieder der VDFG , so Steinmeier, seien auch bei der Gründung erster Städtepartnerschaften, beim Aufbau von Völkerverständigung, initiativ und wesentlich engagiert gewesen. Eine Erfolgsgeschichte, die in den 90er Jahren mit der Öffnung nach Osteuropa mit zahlreichen Neugründungen von Partnerschaften fortgesetzt worden sei. Die deutsch-französischen Städtepartnerschaften seien echte Keimzellen des gegenseitigen Kennenlernens und der Öffnung . . .

 

Gruppenfoto mit Mitgliedern des Vorstandes von VDFG und FAFA, der Stifterfamilie Kühn-Leitz und Nass mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Ehefrau Elke Büdenbender nach der Verleihung des Elsie-Kühn-Leitz Preises. Foto: Bundesregierung/ Bergmann

 


Der Elsie-Kühn-Leitz-Preis
ist ein mit 10.000 Euro dotierter Preis der Vereinigung Deutsch- Französischer Gesellschaften für Europa. Er wird seit 1986 in der Regel alle zwei Jahre für herausragende Verdienste für die Völkerverständigung zwischen den Ländern Deutschland und Frankreich und der europäischen Einigung verliehen.

Das Preisgeld wird dem Ausbau der vom Deutsch-Französischen Jugendwerk initiierten Plattform PARKUR zugutekommen, die junge Erwachsene, die im Partnerland ein Praktikum absolvieren möchten, mit einem maßgeschneiderten sprachlichen, beruflichen und interkulturellen Bildungsangebot bei der Vorbereitung unterstützt.


Zu den bisherigen Preisträgern zählen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, der ehem. französische Staatspräsident Valéry Giscard-d’Estaing, der EU-Kommissions-Präsiden Jean-Claude Junker, der Historiker Joseph Rovan, der Kunsthistoriker und Museumsleiter Werner Spiess, der Journalist Peter-Scholl-Latour, die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, wie auch der deutsch-französische TV-Kulturkanal Arte oder die südfranzösische Stadt Avignon. Elsie Kühn-Leitz war die Gründungspräsidentin der VDFG und entstammt der in Wetzlar ansässigen Unternehmerfamilie Leitz. Mit der Verleihung soll ein aktiver Beitrag zur Vertiefung der deutsch- französischen Verständigung geleistet werden.


Die VDFG, die Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V., ist die Plattform und das Netzwerk des zivilgesellschaftlichen deutsch-französischen Engagements. Die VDFG ist ein überparteilich und überkonfessionell arbeitender Verein, der in der „Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l Europe“ (FAFA) sein französisches Pendant hat, mit dem er seit seiner Gründung 1957 eine Einheit bildet. In Deutschland und Frankreich sind in 160 + 190 Mitgliedsorganisationen insgesamt über 40.000 interessierte Bürgerinnen und Bürger vereint.


Die Urkunde – Elsie-Kühn-Leitz-Preis 2018 –


Laudatio von Dr. Oliver Nass – Stifterfamilie / Enkel von Elsie Kühn-Leitz


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2 Kommentare

  1. Marliese Raschick schrieb am :

    Danke für den interessanten Artikel und die schönen Fotos. Ich finde es besonders gut, dass der Preisträger den Preis an das Deutsch-Französische Jugendwerk weitergibt.


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